Zeit Geschichte

Zum 95. Geburtstag von Mikis Theodorakis

Ende der 70er Anfang der 80er Jahre war ich bei dem 100. Einsatz von Alexis Zorbas im damaligen Woki dabei.  Der Film, das Buch und auch die Musik haben mich mein Leben lang begleitet. Über Mikis Theodorakis, den Erfinder des Sirtaki, wusste ich damals ziemlich wenig.

Einige Jahre Später hatte ich die Gelegenheit eine Freiluftaufführung des „Cato General“ mit Mikis Theodorakis und Maria Farantouri zu sehen. Ein unvergessenes Erlebnis. Und langsam näherte ich mich der Geschichte dieses einzigartigen Künstlers, der sein Leben lang auch Politiker war. Nicht wenig verwunderte es mich, dass er 2020 in einem Interview mit der Zeitung „Junge Welt“ richtigstellte: „Ich habe in Wirklichkeit nie »politische Musik« geschrieben. denn die Begriffe »Politik« und »Musik« können nicht nebeneinander existieren. Richtig ist, dass meine Musik verschiedene Bewegungen begleitete, in erster Linie revolutionäre und das nicht nur in Griechenland.“ (Junge Welt vom 25.07.2020)

Geboren wurde Theodorakis 29.07.1925 auf Chios in der nördlichen Ägäis. Während der Besatzung Griechenlands durch die faschistischen Truppen Deutschlands und Italiens entschied er sich für den Widerstand. Mit 18 Jahren wurde er zum ersten Mal inhaftiert und gefoltert. Während des Griechischen Bürgerkrieges 1946-1949 geriet er mehrmals in Haft und kam schließlich in ein Griechisches Konzentrationslager in dem er gefoltert du unter Anderem zwei Mal lebendig begraben wurde.

1954, jung verheiratet konnte er mit seiner Frau Myrto Altinoglou nach Frankreich ausreisen, um dort Musik zu studieren.

1960 kehrt Theodorakis nach Athen zurück. Aus dieser Zeit stammt die Filmmusik zu Alexis Zorbas, aber auch der Liederzyklus Mauthausen, in de Er die Gedichte Iakovos Kambanellis, eines Mauthausenüberlebenden vertonte.

Nach dem Putsch der faschistischen Obristen kehrte er zurück in den Widerstand gegen das Obristenregime. Erneut erlitt er KZ-Haft, Folter und erkrankte schließlich an Tuberkulose. Er kehrte 1970 ins Exil nach Frankreich zurück.

In der Zeit im Exil knüpfte er viele politische und künstlerische Kontakte. Einer der interessantesten war vermutlich der Kontakt zu Palo Neruda. Neruda war seit 1970 nach dem Wahlsieg Allendes chilenischer Botschafter in Frankreich. 1971 erhielt er den Nobelpreis für sein literarisches Werk.

Sein Lyrisches Werk, den Canto General vertonte Mikis Theodorakis. 1973 kehrte der krebskranke Neruda nach Chile zurück und verstarb 12 Tage nach dem Militärputsch von Augusto Pinochet.

1974, nach dem Ende des Obristenregimes in Griechenland kehrt Mikis Theodorakis nach Griechenland zurück. Er bleibt politisch und musikalisch aktiv und bleibt ein Querdenker. Er wird als linker Vordenker gesehen, kandidierte aber z.B. 1989 als parteiloser Kandidat auf der Liste der konservativen Partei Nea Dimokratia, die später zusammen mit Kommunisten und Sozialisten ein Bündnis bildete.

Theodorakis setzte sich gegen den Krieg und für die Befreiungsbewegungen ein und fand immer auch deutliche Worte, auch nachdem er sich aus der Tagespolitik zurückgezogen hatte.

2012 wurde er, als er im Rollstuhl an einer Demonstration gegen die Troika teilnahm, von einer Ladung Tränengas im Gesicht verletzt. An den Folgen diese Verletzung leidet er sichtbar heute noch.

Den Vorschlag von 2000, Mikis Theodorakis den Nobelpreis zu verleihen, sollte man zu seinem 95. Geburtstag wiederaufleben lassen.